Die meisten Kamerahersteller haben für ihre Objektive eine Premium-Linie, die Crème de la Crème sozusagen. Bei Canon sind es die Objektive mit dem roten Ring und dem L hinter der Brennweitenangabe. Bei SONY sind es die Objektive mit silbernem G auf rotem Hintergrund und der Bezeichnung GM hinter der Brennweitenangabe.
GM steht bei SONY für G-Master. Die Objektive zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:
- Robustheit – hervorragende Verarbeitung und Abdichtung gegen äußere Einflüsse wie Wasser und Staub
- Lichtstärke – hohe Lichtstärke
- Optische Leistung – hervorragende optische Eigenschaften
- Schnelligkeit – Hohe Leistungsfähigkeit beim Autofokus
- Funktionalität – Alle GM-Objektive verfügen über einen Blendenring, der sich „de-klicken“ lässt, einen AF/MF-Schalter und über mindestens einen individuell belegbaren Knopf. Je nach Objektiv kommen ggf. noch weitere Schalter dazu wie z.B. für den Bildstabilisator oder einen Schalter für die Fokusbegrenzung
Zumindest ist das in etwa, was vom SONY-Marketing versprochen wird. In der Praxis jedoch klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Ergänzen möchte ich noch, dass GM-Objektive natürlich entsprechend teuer sind.
Sehr gute Erfahrungen mit GM-Linsen von SONY
FE 24–70mm F2.8 GM II (SEL2470GM2)
Das GM II sagt aus, dass es sich um die zweite Generation des FE 24-70mm F2.8 handelt. Es ist mein erstes Objektiv von SONY und zudem auch das teuerste in meiner Sammlung.
Das Objektiv ist sehr gut verarbeitet, fühlt sich gut an und liefert optisch bereits ab Offenblende eine gute Leistung ab. Ich kann nichts schlechtes über das Objektiv sagen.
FE 14 mm F1.8 GM (SEL14f18GM)
Auch dieses Objektiv schneidet bei mir gut ab. Bei so einem extremem Weitwinkel ist es schwierig die Schärfe bei Offenblende bis in die äußersten Bildecken zu transportieren. Dafür schneidet das Objektiv noch sehr gut ab – natürlich ist es nicht so scharf wie im Bildzentrum, jedoch noch ausreichend scharf.
Sehr schlechte Erfahrungen mit GM-Linsen von SONY
Angesichts der sehr guten Erfahrungen mit den G-Master Objektiven von SONY wollte ich mir weitere GM-Linsen kaufen. Hier meine Erfahrungen.
Im folgenden zeige ich drei negative Beispiele. Ich habe ein Testchart fotografiert und dann die Bildecken (Ausschnitte aus dem Testchart) miteinander verglichen.

Wenn ein Objektiv gut zentriert ist, haben alle Ecken in etwa dieselbe Schärfe. Das Bildzentrum ist IMMER am schärfsten. Es ist normal, dass die Schärfe zu den Rändern hin abnimmt. Die Ränder sollten dennoch ausreichend scharf sein und nicht verschwommen wirken.
Ein Objektiv ist dezentriert, wenn eine Ecke DEUTLICH unschärfer ist als eine andere Ecke. Dann ist das ein Fall für den Service, oder man gibt das Objektiv einfach wieder zurück, wenn man die Möglichkeit dazu hat.
FE 50 mm F1.4 GM (SEL50f14GM)
1. Exemplar – stark dezentriert
Das erste Exemplar des 50mm F1.4 GM bestellte ich mir als Grauimport für einen relativ günstigen Preis von 1.150 Euro. Ich habe das Objektiv jedoch nicht behalten, da es stark dezentriert war.
Starke Dezentrierung


Ich habe das Objektiv retourniert. Denn es ist absolut nicht in Ordnung, wie stark die Abweichungen der Schärfe sind.
2. Exemplar – stark dezentriert
Ich ging davon aus, dass ich einfach großes Pech hatte und ich wohl ein schlechtes Exemplar erwischte. Also wollte ich mir ein 50er 1.4 GM gebraucht kaufen. Ich fand ein interessantes Angebot und fuhr nach Marburg, wo die Übergabe des Objektivs stattfinden sollte. Jedoch wollte ich es zunächst testen.
Auch bei diesem Exemplar konnte ich eine starke Dezentrierung feststellen, sodass ich dem Verkäufer eine Absage erteilt und das Objektiv nicht gekauft habe.
Starke Dezentrierung


Das zweite Exemplar ist noch schlechter als das erste, da es auch in der „guten Ecke“ nicht so scharf ist, wie es eigentlich sein könnte/(sollte).
FE 35 mm F1.4 GM (SEL35f14GM)
Im deutschen Fotofachhandel bestellte ich mir das 35er F1.4 GM und hätte nicht gedacht, nochmal ein schlechtes Exemplar aus der GM-Linie zu erwischen. So war es aber leider.
Unscharf bei Offenblende
Mein Exemplar des 35er war nun generell unscharf bei Offenblende an den Rändern.


Es ist schon in Ordnung, wenn die Bildränder nicht so scharf sind wie die Bildmitte. Das lässt sich gar nicht vermeiden. Doch bei so einem teuren Objektiv sollten die Ränder auch bei Offenblende wenigstens ausreichend scharf sein und ganz bestimmt nicht so unscharf wie es hier der Fall ist.
Fazit
Die Premium-GM-Linie von SONY unterliegt offensichtlich starken Qualitätsschwankungen. Man kann Glück haben und ein gutes Exemplar erwischen, oder man hat Pech und erwischt ein schlechtes Exemplar. Ich hatte drei Objektive hintereinander aus verschiedenen Quellen, die allesamt richtig schlecht abgeschnitten haben.
SONY scheint beim Qualitätsmanagement einige Baustellen zu haben, wenn das das Ergebnis ist. Solche Erfahrungen habe ich bisher nur bei den GM-Linsen gemacht, nicht jedoch bei allen anderen Objektiven von SONY (G-Linie oder solche ganz ohne Premium-Prädikat). Die G-Linie von SONY ist auch eine mit besonderem Prädikat, jedoch nicht so lichtstark wie die Objektive der G-Master-Linie.
Ich habe mir anstatt des 50er 1.4 GM ein gebrauchtes 55er F1.8 von SONY Zeiss gekauft und anstatt des 35er 1.4 GM ein neues 35er F1.8 von SONY. Beide Objektive liefern ein gutes Ergebnis ab – auch in den Bildecken und ganz ohne Dezentrierung! Für beide Objektive habe ich zusammen weniger als 730 Euro bezahlt.
Ich habe SONY hierzu eine Mail geschickt, aber nur eine sehr allgemeine Antwort bekommen. Ich habe den Eindruck, SONY nimmt das Problem nicht wirklich ernst. Vermutlich merken es die meisten Kunden nicht einmal, wenn sie ein schlechtes Exemplar erwischen. Denn nicht jeder testet seine Objektive kurz nach dem Kauf, so wie ich das mache.
Daher kann ich nur davon abraten Objektive von privat gebraucht zu kaufen, wenn man keine Möglichkeit hat, sie sich vorher anzuschauen und zu testen.